kork Grazalema

Kork – Quercus suber

Quercus suber ist ein immergrüner Baum der Gattung der Eichen, der im Mittelmeerraum heimisch ist. Der Baum hat sich durch Ausbildung seiner dicken Borke als Schutzschicht an die Waldbrände und Dürreperioden dieser Region angepasst. Der aus dieser äußeren Borkenschicht gewonnene Kork ist ein Material vielseitiger industrieller Anwendungsmöglichkeiten und wird in den großen, offenen Korkwäldern geerntet, die dazu in 7 Mittelmeerländern gepflegt werden – insgesamt ca. 2,7 Mio. Hektar in Spanien, Portugal, Algerien, Marokko, Italien, Tunesien und Frankreich.

cork-oak-test-cutDie mächtigen Bäume werden bei der Korkernte nicht gefällt oder beschädigt, qualifizierte Landarbeiter schälen die Rinde vorsichtig, mithilfe von Schneidäxten, von Hand von den Stämmen und Hauptästen. Das geschieht während der heißen Sommermonate, wenn die Rinde sich leichter löst. Die Korkplatten werden auf Maultierrücken aus dem Wald abtransportiert, bevor sie gesammelt auf Lastwagen zum Lagerplatz verbracht werden. Die Korkschicht braucht ca. 9 bis 12 Jahre um nachzuwachsen, eine Korkeiche muss erst ungefähr 50 Jahre alt werden, bis der Kork die für Flaschenkorken erforderliche Qualität erreicht und wird rund 200 Jahre alt. In Korkwäldern fällt zwischen den Ernten kaum oder keine Arbeit an, weshalb dieser Kulturlandschaft besondere Bedeutung als Rückzugsgebiet für seltene und endemische Arten zukommt. Jüngere Studien haben darüber hinaus zahlreiche Lebensformen von Pflanzen und Tieren entdeckt, die dort dank der Feuchtigkeit vorkommen. Das mächtige Dach der Baumkronen und zahlreiche unterirdische Wasserläufe spielen zusammen und schaffen ein subtropisches Mikroklima, in einem sonst trockenen Teil Spaniens.

Korkeichenwälder sind ein Modellbeispiel wegen ihres Gleichgewichts zwischen Naturschutz und wirtschaftlicher Nutzung. Spanien ist der zweitgrößte Korkproduzent (nach Portugal), mit ca. 25 % der weltweiten Produktion und rund 300 Mio. Euro Umsatz aus dem Korkexport, woraus etliche tausend Menschen ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Kork - Quercus suber
Kork – Quercus suber

Kork wird von den Menschen im Mittelmeerraum seit der Antike verwendet, Ägypter, Griechen und Römer benutzten ihn zum Verschließen von Krügen, als Dachdeckung und zur Herstellung von Bienenkörben. Seit dem 18. Jh. wurde Kork verstärkt in der Industrie eingesetzt, insbesondere seit der Erfindung des Flaschenkorkens durch Dom Pierre Pérignon, einem Benediktinermönch, der als Vater des Champagners bekannt ist. Die Elastizität des Korks in Verbindung mit seiner fast vollständigen Wasserundurchlässigkeit macht ihn zum idealen Material für Flaschenverschlüsse. Die teuersten Korken sind aus einem Stück geschnitten, Verbundkorken stammen hingegen aus Granulat, das verklebt wird. Reste und Verschnitt werden gesammelt und zu sonstigen Korkerzeugnissen verarbeitet – es fällt keinerlei Abfall oder Ausschuss an.

Aufgrund seiner einzigartigen Materialeigenschaften kommt der Kork vielseitig zur Anwendung: In Hitzeschildern für Raumsonden, in diversen Verkleidungen und selbst in Reinigungsverfahren für Ölverschmutzungen. Wobei folgende Verwendungen allerdings bekannter sind: Fußbodenbeläge, Wandverkleidungen, Geräusch-/Wärmeisolierung, Motordichtungen, Schwimmer für Angeln und Netze, Schuhwerk, Möbel, Küchenutensilien, Zierelemente, Angelgriffe, Wanderstöcke und Fahrräder, Helmfütterungen, Dartscheiben, Kerne für Baseballs, Hockey‑ und Kricketbälle.

Kork - Quercus suber
Kork – Quercus suber

Nach dem jüngsten Nachfragerückgang bei Weinkorken, weil billigere synthetische Alternativen den Markt eroberten, erleben Flaschenverschlüsse aus Naturkork ein Comeback. Die durch Korkstopfen verursachte Umweltbelastung ist drastisch geringer als die von Verschlüssen aus Kunststoff oder Metall und dazu kommt, dass dieses Material sich am besten zum Verschließen von Rotwein und Brandweinflaschen eignet, weil der Sauerstoffaustausch durch den Korken ein optimales Altern gewährleistet.

Umweltschützer, der WWF und Ornithologenverbände setzen sich für den Erhalt der Korkindustrie ein, indem sie Weinliebhaber ihre Verbrauchermacht ins Bewusstsein rufen und dazu auffordern, nur Flaschen mit Naturkorkverschluss zu kaufen. Sollte der Markt für Naturkorken erheblich schrumpfen, könnte die ganze Kette der Korkgewinnung zusammenbrechen (Flaschenkorken machen rund 60 % der gesamten Korkproduktion aus), wobei dann der Verlust erheblicher Korkwaldflächen durch Vernachlässigung, Brände, Diversifizierung und Überweidung in den nächsten 10 Jahren abzusehen wäre.

Kork ist ein völlig natürliches, erneuerbares, wiederverwertbares Material mit enormer Bedeutung für den Umweltschutz.

Wo gibt es Korkeichen auf der iberischen Halbinsel?

Los Alcornocales ist das ausgedehnteste Korkeichenwaldgebiet der iberischen Halbinsel und damit von besonderer Bedeutung für die weltweite Korkproduktion. Das Naturschutzgebiet, zu dem auch Gebirgsgegenden gehören, schafft einen grünen Korridor vom Naturpark Sierra de Grazalema bis an die Küste bei Tarifa.




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